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Stucco Lustro Geschichte
Die Herstellung von Stucco Lustro ist seit der Antike bekannt und wird oft mit der Freskotechnik verglichen. Sie erfordert nicht nur solides handwerkliches Können, sondern auch ein hohes Maß an gestalterischen Fähigkeiten.
Geschichte
Eine Technik, bei der auf geglättetem Gipsgrund gemalt wurde und die an Stucco Lustro erinnert, kannten die Ägypter schon im Alten Reich (2680–2180 v. Chr.). Ein Beispiel aus dem Neuen Reich (um 1200 v. Chr.) zeigt, dass inzwischen ein ein Aufbau auf Kalkgrund die frühere Grundierung aus Gips abgelöst hatte. Geglättete Wände in einfarbiger „Fresko“-Technik aus der Zeit um 2000 v. Chr. entdeckte man auch in Knossos (Kreta) und dem griechischen Tiryns. Die Menschen der Antike bewunderten die Vollkommenheit meisterhaft durchgeführter Glättungstechniken, deren großes Vorbild Marmor war.
Der römische Autor Vitruv beschrieb im 1. Jahrhundert v. Chr. in seinem Monumentalwerk „De Architectura“ das noch heute übliche so genannte Einsumpfen von Kalk. Hierbei vermengt man den Kalk vor seiner Verwendung als Putz oder – in verdünnter Form – Wandfarbe zunächst mit Wasser, bis er gebunden ist. Nahezu vollständig überliefert sind die Verfahren, die bei der Herstellung der wundervollen römischen und pompejanischen Wandmalereien angewandt wurden; Ausgrabungen und antike Quellen bezeugen ihr hohes Niveau. In Pompeji wurde die Stucco-Lustro-Technik erstmals zur Imitation von Marmor eingesetzt („stucco licido“).
In der Neuzeit knüpften die Baumeister der italienischen Renaissance an diese antike Tradition an und entwickelten sie weiter. Besonders erwähnenswert ist hierbei der venezianische Marmorino, ein besonders fester, glatter Verputz, der für die klimatischen Bedingungen Venedigs entwickelt wurde, in seiner prächtigen Ausgestaltung aber auch der Repräsentationsfreude dieser Stadt Ausdruck verlieh.
Zu spiegelndem Glanz polierte, durchfärbte Verputze fanden im Barock auch nördlich der Alpen großen Anklang bei Baumeistern und Malern. Später erlebten sie im 19. Jahrhundert eine erneute Blütezeit, die von der Entdeckung Pompejis inspiriert war.
In Deutschland hat sich diese Traditionstechnik vor allem in Bayern und Franken erhalten, angeregt durch den Wiederaufbau der Semperoper in Dresden erwachte sie aber auch im Osten des Landes zu neuem Leben. So wird sie heute nicht nur zur Erhaltung und Restaurierung alter Werke eingesetzt, sondern, wie seit jeher, auch zur Schöpfung von Neuem.
Glanzbildung
Die Bezeichnung „Stucco Lustro“, „polierter Glanzstuck“, fasst die ganz charakteristische optische Wirkung dieses Verputzes perfekt zusammen. Die schöne Glanzbildung auf der Oberfläche entsteht dadurch, dass der nicht abgebundene Putz mit heißen Eisen oder auf kaltem Wege aufwändig geglättet wird. Die aufzutragende Putzschicht kann mit Pigmenten eingefärbt und durch Bemalen strukturiert werden. In seiner Ausführung kommt Stucco Lustro dadurch der Fresko-Technik sehr nahe.
Grundlage für Stucco Lustro ist ein sorgfältiger Aufbau von Unter- und Oberputz auf Weißkalkbasis. Kalk beugt Schimmelbildung vor, wodurch sich Stucco Lustro auch hervorragend für Bäder und andere Räume eignet, die regelmäßig Feuchtigkeit ausgesetzt sind. Zusätzlichen, lang anhaltenden Schutz erhält er durch eine Oberflächenpolitur mit Wachs.